Pressemitteilung: Landeselternausschuss lehnt Verschulung von Kitas ab

4. Februar 2026

Mainz, 04.02.2026. Der Vorschlag eines verpflichtenden Kita-Jahres vor der Einschulung stößt laut einer aktuellen Umfrage von infratest dimap im Auftrag des SWR-Politikmagazins „Zur Sache Rheinland-Pfalz!“ auf breite Zustimmung in der Bevölkerung. 82 Prozent der Befragten bewerten ein solches Vorhaben als gut oder sehr gut.

Der Landeselternausschuss Rheinland-Pfalz (LEA RLP) warnt davor, aus dieser Zustimmung vorschnelle politische Schlüsse zu ziehen. „Hohe Zustimmungswerte ersetzen weder pädagogische Expertise noch eine tragfähige rechtliche Grundlage“, erklärt die Vorsitzende des LEA RLP, Annegret Neugschwender. „Der Ruf nach einem verpflichtenden Vorschuljahr ist politisch bequem aber fachlich kurzsichtig.“ Die breite Unterstützung für ein verpflichtendes Vorschuljahr beruht häufig auf der Vorstellung, dass unsere Kinder im Bildungssystem versagen. Es ist aber vielmehr ein veraltetes und überlastetes Bildungssystem, das versagt. Statt die nach wie vor großen Umsetzungsprobleme im Kita-System konsequent anzugehen, werde mit dem Vorschuljahr ein zusätzlicher Pflichtbaustein diskutiert, der an den eigentlichen Herausforderungen vorbeigeht.

Der Bildungsauftrag der Kitas ist unbestritten und zentral. Bildung in der frühen Kindheit ist jedoch immer als Teil der Trias Bildung, Erziehung und Betreuung zu verstehen. Es geht um eine ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Sie dürfen nicht auf ein schulvorbereitendes Training oder auf ‚Basisqualifikationen‘ reduziert werden. „Kitas sind Entwicklungsorte, keine Vorstufen des Schulsystems“, betont Neugschwender. „Was Kinder brauchen, sind stabile Beziehungen, Kontinuität, Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen – nicht zusätzlichen Leistungsdruck im Vorschulalter.“

Ein zentraler Aspekt wird in der aktuellen Debatte häufig ausgeblendet: Solange Kitas Teil der Kinder- und Jugendhilfe sind, kann es dort keine Bildungspflicht geben. Die Freiwilligkeit ist eine grundlegende rechtliche und fachliche Säule dieses Systems.
„Wer ein verpflichtendes Vorschuljahr fordert, müsste konsequenterweise die Kitas aus der Kinder- und Jugendhilfe herauslösen und ins Schulsystem überführen“, so Neugschwender. „Das hätte weitreichende und gravierende Nachteile für die Kinder, die Familien und die Fachkräfte.“ Eine solche Systemverschiebung würde die Stärken der frühkindlichen Bildung untergraben, ohne die erhofften Effekte zu erzielen.

Der LEA RLP lehnt ein verpflichtendes Vorschuljahr in Kitas weiterhin klar ab. Statt neuer Pflichten braucht es endlich verbindliche strukturelle Verbesserungen im Kita-System. Nur so eröffnen sich echte Bildungschancen für Kinder statt Kitas zu Vorstufen der Schule zu degradieren.

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